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Migräne (engl. migraine)

Die Migräne gehört zu den chronischen, primären Kopfschmerzarten. Das heißt, sie tritt immer wieder auf und es liegen ihr keine organischen Erkrankungen zu Grunde. Der Migräneschmerz setzt anfallartig ein und wird als pulsierend empfunden; meist tritt er halbseitig auf. Bei körperlicher Betätigung nimmt er zu. Die Schmerzen beginnen meist in den frühen Morgenstunden und halten Stunden bis Tage an. Die Migräne wird oft von weiteren Symptomen, wie Übelkeit und Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Lärmscheu und neurologischen Ausfällen begleitet. In Deutschland erkranken ungefähr 3% aller Schulkinder, 6% aller Männer und 15% aller Frauen mindestens einmal im Jahr an Migräne. Insgesamt leiden wahrscheinlich über 10 Millionen Menschen in Deutschland an Migräne. Dabei ist in allen Industrieländern ein Anstieg der Erkrankungszahlen zu verzeichnen.

Was sind die Ursachen der Migräne?

Die genauen Ursachen und die exakte Entstehungsart der Symptome sind nicht gänzlich aufgeklärt. Es gibt mehrere Erklärungstheorien, von denen jede für sich gesehen, nicht alle Aspekte der Krankheit abdeckt. Die Schmerzen können von den Blutgefäßen und den Hirnhäuten ausgehen. Beeinträchtigungen dieser beiden Strukturen bieten Erklärungsansätze für die Migräneentstehung. Die Migräne tritt familiär gehäuft auf. Dies lässt darauf schließen, dass die Veranlagung an Migräne zu erkranken, vererbt wird. Jedoch ist die erbliche Disposition nicht der alleinige Faktor für die Migräneerkrankung. Bei bestimmten Migräneformen sind Gendefekte auf dem Chromosom 19 entdeckt worden.

Außerdem reagiert das Gehirn der Betroffenen auf innere und äußere Reize besonders empfindlich. Die so genannte Erwartungsspannung (messbare Größe) der Gehirnzellen eines Migränikers ist sehr viel höher als bei einem gesunden Menschen. Die Gehirnzellen gewöhnen sich nicht an bestimmte Reize und reagieren in erhöhtem Maße. Das Gehirn hilft sich mit einer Migräneattacke, um diese Erwartungsspannung zu senken. Allerdings steigt diese Spannung dann wieder an. Betablocker, die normalerweise bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, scheinen diese Erwartungsspannung herabzusetzen.

Eine weitere Theorie zur Entstehung der Migräne führt Durchblutungsstörungen an, mit denen sich einige Symptome erklären lassen. So bewirken äußere Faktoren, wie Stress, Änderungen des Hormonspiegels oder Wetterwechsel eine kurzfristige Verengung der Blutgefäße im Gehirn. Danach kommt es zu einer Gefäßerweiterung, und erhöhten Durchblutung. Dieser Dehnungsreiz soll dann den hämmernden Kopfschmerz auslösen. Bestimmte Migräneformen mit Aura (siehe unten) sind durch diese Theorie erklärbar, da man weiß, dass diese Formen auf einer Minderdurchblutung in hinteren Gehirnabschnitten basieren. Die Einseitigkeit des Kopfschmerzes und Migräneformen ohne Aura lassen sich mit dieser Theorie nicht erklären. Die Durchblutungsstörung allein verursacht wahrscheinlich keine Migräne.

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Migräne kommt dem Neurotransmitter Serotonin zu. Neurotransmitter (Adrenalin, Noradrenalin, Endorphine, Histamin und eben Serotonin) sind an vielen biologischen Prozessen im Gehirn beteiligt. Sie spielen eine Rolle bei der Übertragung von Nervensignalen, der Weit- und Engstellung von Blutgefäße und sind an der Auslösung von Schmerzsignalen beteiligt. Serotonin im Speziellen hat im Körper vielfältige Aufgaben: in manchen inneren Organen verengt es kleine Arteriolen, an den Skelettmuskeln weitet es sie. Es wirkt sich auch auf dien Muskeltonus des Magen-Darm-Traktes aus. Zu seinen Aufgaben im Gehirn gehören beispielsweise die Schmerzwahrnehmung oder die Beeinflussung der Stimmung. Bei Migräne-Patienten hat man herausgefunden, dass Serotonin während einer Migräneattacke in vermehrtem Maße im Blut zu finden ist. Wird den Patienten dann diese Substanz injiziert, so kam es zu einer Reduktion des Migränekopfschmerzes. Bestimmte Triptane - Medikamente gegen Migräne - ähneln dem Serotonin und wirken gezielt an speziellen Serotoninrezeptoren im Gehirn. Der Serotoninspiegel wird beeinflusst von weiblichen Hormonen (Östrogenen). Der monatliche Regelzyklus wirkt sich also auf die Konzentration dieses Botenstoffes aus.

Ein weiterer Erklärungsansatz geht davon aus, dass es bei einer Migräne zu einer nichtbakteriellen neurogenen Entzündung an den Blutgefäßen von Hirn und harter Hirnhaut kommt. Entzündungshemmende Substanzen wie Acetylsalicylsäure sind daher auch gegen Migräne wirksam.

Was sind mögliche Migräneauslöser?

Die Migräne kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Dabei reagieren die Migränepatienten individuell verschieden. Mögliche Migräneauslöser sind:
  • Bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Rotwein, Hartkäse, Schokolade, Nüsse, Bananen, Schweinefleisch, der Geschmacksverstärker Glutamat, eine Vielzahl von Gewürzen, Nahrungsmittelzusätze wie Aspartam
  • Mangel an Mineralien und Flüssigkeit
  • Psychische Belastung
  • Körperliche Anstrengung und Ermüdung, Hormonschwankungen im weiblichen Zyklus aber auch der plötzliche Wegfall von Stress (z.B. bei Urlaubs- und Wochenendbeginn)
  • Starke Stimmungen, sowohl im negativen, wie im positiven Sinne
  • Starke Reize wie grelles Licht (Stroboskop, hektische Computerspiele und flackernde Computermonitore), großer Lärm, intensive Gerüche, heißes Baden, Saunaaufenthalt
  • Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf wie das Auslassen von Mahlzeiten (Unterzuckerung), Änderungen im Schlafrhythmus, Ortswechsel, plötzlicher Wetterumschwung und Klimawechsel.
Formen der Migräne

Bei circa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten treten vor dem eigentlichen Schmerz bestimmte Begleiterscheinungen auf, die Aura genannt werden. Der Grund dafür sind neurologische Ausfälle. Es handelt sich dabei um Störungen des Sehvermögens, wie kurzzeitige Gesichtsausfälle oder grelle Bilder von Blitzen und anderen Motiven. Auch vorübergehende Lähmungen, Störungen des Geruchsempfindens oder andere Sinnesbeeinträchtigungen sind möglich. Die Auraphase dauert für gewöhnlich 10 bis 30 Minuten. Dann entwickelt sich der Kopfschmerz, der allmählich beginnt und immer stärker wird. Eine Migräne mit sehr langer Auraphase (> 60 Minuten) wird auch Migräne mit prolongierter Aura genannt. Daneben gibt es noch - sehr selten allerdings - die Migräneaura ohne Kopfschmerz. Es kommt nur zu neurologischen Ausfällen ohne Schmerzattacken. Die häufigste Form der Migräne ist die Migräne ohne Aura. Den Schmerzattacken gehen keine neurologischen Ausfälle voraus. Weitere Sonderformen sind die ophthalmoplegische (Augenmuskellähmung -> sehen von Doppelbildern) und retinale Migräne (länger anhaltende Gesichtsfeldausfälle). Migräne bei Kindern folgt im Wesentlichen der Symptomatik bei Erwachsenen. Im Unterschied wird der Kopfschmerz aber auf beiden Seiten empfunden und es besteht zusätzlich ein dumpfer Stirnschmerz. Die Begleitsymptome und die Dauer des Anfalls sind meist nicht so stark ausgebildet. Bei manchen Kindern äußert sich die Migräne in Form von Schwindelattacken, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Auraähnliche Erscheinungen vor den Anfällen sind ebenso zu beobachten.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Die Diagnose stützt sich auf die genaue Ermittlung der Krankengeschichte (ähnliche Kopfschmerzen in der Familie, Häufigkeit, Veränderungen in Intensität und Dauer der Attacken, usw.). Daneben hilft eine genaue Beschreibung der Kopfschmerzattacke (bsp. einseitig, pulsierender Schmerz, Dauer der Attacke, neurologische Ausfälle, Zyklusabhängigkeit, usw) die richtige Diagnose zu stellen. Beim erstmaligen Auftreten und bei Veränderungen in der Schmerzintensität können folgende Untersuchungen Aufschluss geben: EEG, CT, MTR.

Wie sieht die Therapie beim akuten Anfall aus?

Die Übelkeit und das Erbrechen kann durch ein so genanntes Antiemetikum gebessert werden. Danach können Schmerzmittel in ausreichenden Dosierungen eingenommen werden. Folgende Mittel stehen zur Verfügung: Acetylsalicylsäure (ASS) 500 - 1000 mg, Ibuprofen und Paracetamol (1000 mg). Neuerdings propagiert man auch wieder eine Wirkstoffkombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein (Vorsicht eventuell Dauerkopfschmerz!). Seit 1993 gibt es Schmerzmittel mit einer sehr guten Wirksamkeit bei der Migräneattacke. Es handelt sich um Triptane, so genannte Serotonin-Rezeptoragonisten. Halten Sie aber unbedingt vor der erstmaligen Anwendung Rücksprache mit ihrem Arzt, da die Medikamente bei bestimmten Risikofaktoren nicht eingenommen werden sollten! Ergotamine, so genannte Mutterkornalkaloide, sind ebenfalls migränewirksam. Sie werden nur noch bei sehr langen Migräneattacken oder wenn die Betroffenen damit bereits erfolgreich behandelt wurden, eingesetzt. Folgende nicht medikamentöse Maßnahmen können bei einem akuten Anfall zusätzliche Linderung bringen: kalte Kompressen (Migränebrille) und Ruhe in einem geräuscharmen, abgedunkelten Raum.

Wie kann man den Migräneanfällen vorbeugen?

Soweit es geht sollten die auslösenden Faktoren gemieden werden (bestimmte Nahrungsmittel, regelmäßige Lebensweise). Medikamentös können Betarezeptorenblocker eingesetzt werden. Ist Stress der Hauptauslösefaktor, kann das Erlernen von Entspannungstechniken (z. B. Autogenes Training) helfen. Sportliches Ausdauertraining wirkt sich ebenfall positiv aus. Die Symptome der Migräne können auch mit Hilfe einiger Alternativtherapien gelindert werden. Dazu zählen: Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie, Heilkräuter (Pestwurz, Kamille, Ingwer) oder Hypnose.


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